COSMOPOLITAN x nayca

Lisa Hechenberger | Cosmopolitan

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der Cosmopolitan 04/2020


Junge Frauen und "mittelalte weiße Männer" können im Job nicht miteinander – angeblich. Carina und Bruno Hader leben das Gegenteil: Vater und Tochter arbeiten zusammen an einem Periodenprodukt. Wir haben sie zum Interview getroffen. 


Denkt man an klassische Familienbetriebe, hat man sofort Patriarchen, starre Hierarchien und verstaubte Traditionsprodukte im Kopf. Denkt man an Frauen in der Arbeitswelt, sieht man förmlich vor sich, wie sie bei Treffen mit "mittelalten weißen Männern" in der Führungsetage auf den Tisch hauen müssen. Bei Carina und Bruno Hader ist alles anders: Tochter und Vater agieren auf Augenhöhe und wollen mit"Nayca" ein feministisches Produkt auf den Markt bringen. Ein Wärmeherz gegen Periodenschmerzen.


Mit Papa zusammen Chef sein: Klappt das oder kommt doch öfter mal der Bestimmer von früher durch?

CARINA HADER: Es läuft richtig gut, auch weil mein Vater mit dem typischen Alter-Mann-Klischee nichts am Hut hat. Wir zeigen einander andere Perspektiven und können darüber diskutieren. Häufig ist er sogar der Mutigere, der etwas ausprobieren möchte, während ich als Ingenieurin alles bis ins kleinste Detail planen will.

BRUNO HADER: Von der klassischen Vaterrolle musste ich mich natürlich lösen. Früher habe ich jahrelang immer danach entschieden, was das Beste für meine Tochter sein würde. Heute muss ich akzeptieren, wenn sie zu mir sagt: "Papa, so geht das aber nicht!"


Wann war das zum Beispiel der Fall?

B. H.: Bei der Aufgabenverteilung. Ursprünglich dachten wir, die liegt ja auf der Hand: Da Carina Luft- und Raumfahrttechnik studiert hat, sollte sie Produktion und Entwicklung übernehmen. Ich mit meinen 20 Jahren Erfahrung im Bereich Marketing wollte Vermarktung und Finanzen betreuen. Doch da lernte auch ich als alter Hase im Business, dass Dinge heute anders laufen, gerade im Bereich Social Media.

C. H.: Speziell bei Instagram ist es total wichtig, nahbar und zugänglich zu sein. Ich bin selbst Zielgruppe für das Produkt, und genau diese Message möchten wir transportieren.

B. H.: Mir würde das ja keiner glauben.


Foto: Saripicture

Kam die Idee für das Wärmeherz ursprünglich, weil Sie selbst an Regelschmerzen leiden, Frau Hader?

C. H.: Ja, genau – und ich wollte nicht ständig Tabletten dagegen schlucken. Da ich aber immer viel unterwegs bin, kann ich ja im Meeting nicht einfach die Wärmflasche aus der Tasche ziehen und fragen, wo denn der nächste Wasser kocher steht. Für meine Diplomarbeit habe ich mich dann mit einem chemischen Stoff beschäftigt, der mich schließlich zu "Nayca" inspiriert hat.

Wie funktioniert das Wärmeherz denn eigentlich?

C. H.: Vom Prinzip her wie ein Taschenwärmer. Es ist ein herz förmiges Heizpad, das man sich direkt auf den Bauch zwischen Slip und Hose oder Rock legen kann, wenn man Krämpfe hat. Es erwärmt sich auf Knopfdruck und ist immer wieder einsatzbereit.


Die eigene Regelblutung bespricht man eher nicht mit seinem Vater, oder?!

C. H.: Nein, absolut nicht. Auch bei uns war das nie Thema.


Wie kam es denn dann überhaupt dazu, dass Sie beide zusammen dieses Produkt rausbringen wollen?

B. H.: Ich habe Carina immer gesagt: Wenn du mal eine neue Businessidee hast, bin ich sofort dabei. Allerdings hatte ich eher mit irgendeiner funky Technik-App gerechnet, die automatisch Hemden bügelt oder Autoreifen wechselt.

C. H.: Als ich meinem Papa am Telefon sagte, dass ich endlich die richtige Eingebung hatte und es mit Periode und Schmerzen zu tun hat, wurde es am anderen Ende der Leitung ziemlich still.


Was hat Sie dann doch überzeugt, Herr Hader?

B. H.: Ich musste mich erst mal durch das Thema Menstruation googeln und mir überlegen, ob ich bei Periodenproblemen als Mann überhaupt helfen kann. Ich hatte gar keine Ahnung, ob das tatsächlich so viele Frauen betrifft. Ob da ein Markt ist. Aber nach kurzer Recherche merkte ich schnell, was für ein Potenzial hinter der Idee steckt.


Ist Menstruation noch ein Tabuthema?

C. H.: Jein. In der Schulzeit hat man der besten Freundin noch ganz heimlich zugeflüstert, ob sie "noch einen Tampon" habe, aber gerade passiert im Bereich Menstruation unglaublich viel, etwa mit anderen Fem-Health-Produkten wie Cups, Höschen und Tees, dazu noch die gesenkte Mehrwertsteuer. Vor fünf Jahren hätten wir es sicher schwerer gehabt.


Gab es auch mal negative Reaktionen auf Ihre Idee oder Ihre Konstellation?

C. H.: Nein, eher "Wie geil! Du hast ,Nayca‘ mit deinem Papa gegründet?!“ Dann spielt fast jeder das Szenario mit dem eigenen Vater durch und kommt zum Ergebnis: "Um Gottes Willen, niemals!“ Dabei ist es so schwer, den perfekten Co-Founder zu finden. Ist doch grandios, wenn man sich schon sein ganzes Leben lang kennt. Mit allen Vor- und Nachteilen.

B. H.: Nicht mal bei den Gesprächen mit Investitions-, Entwicklungs- und Produktionspartnern gab es negative Reaktionen. Obwohl in diesen Runden die Männer klar in der Überzahl waren.


Wie erklärt man Männern denn eigentlich, wie sich Periodenkrämpfe anfühlen?

C. H.: Meistens so: Stellen Sie sich vor, Sie stehen unter der Dusche, gehen auf ein Date oder sprinten gerade bei einem Marathon Richtung Zielgerade. Plötzlich wird Ihnen ein Küchenmesser in den Bauch gerammt. Klingt schlimm? Ist es. Und genauso blutig!


Auf dieses Horrorszenario springen Männer an?

B. H.: Absolut! Der Aha-Effekt in den Gesichtern ist spannend. Wenn sie dann auch noch hören, dass man damit Geld verdienen kann, dauert es keine fünf Minuten, und sie sind on board, finden das Herz "cool", fassen es an und halten es sich an den Bauch.


Wie sehen Ihre nächsten Schritte aus?

B. H.: Wir steigen 2020 intensiv in die Produktentwicklung ein, damit wir "Nayca" sobald wie möglich auf den Markt bringen können.

C. H.: Das Wort "Nayca" ist übrigens Hindi und bedeutet Heldin. Und die Heldin im Alltag aller Frauen soll das Herz auch werden!


Vielen Dank für das Gespräch!

Logo-finish-yellow%20(2)_edited.png

©2020 nayca.de

  • Weiß Instagram Icon
  • Weiß Facebook Icon
  • Weiß Pinterest Icon